Kategorie: Empfehlungen

  • Vom Speaker zum Einsegner

    Heute vor zehn Jahren wurde ich mit dem ersten Preis der Fachjury im Speaker Slam ausgezeichnet. Dieser Berufsredner-Wettbewerb ging damals gerade in seine zweite Auflage. Im Finale traten 25 Bewerber aus dem deutschsprachigen Europa an.

    Die Sieger des Speaker Slam 2016 mit der Jury.

    Damals hielt ich Vorträge — in Unternehmen, auf Kongressen und Veranstaltungen im In- und Ausland. Das Thema war oft „Leadership in a VUCA World“. Im Auditorium saßen vor allem Managerinnen und Manager.

    Heute höre ich zuerst trauernden Menschen lange zu und begleite sie durch ihren Schmerz — hinein in Hoffnung, Zuversicht und Liebe.

    Am Ende bete ich mit allen Anwesenden, spreche ihnen Segen zu und sie wünschen einander Frieden statt bloß Beileid. Es bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe. Und die Liebe ist stärker als der Tod.

    Dazwischen halte ich eine kurze Rede, die einen verstorbenen Menschen ehrt. Die Rede ist dabei jener Teil, den auch klassische Trauerredner gestalten.

    Oft erst Wochen später führe ich Trauerfamilien auf die Orgelempore des Stephansdoms. Dort werden wir still und dankbar. Wir spüren die Nähe des unaussprechlich Größeren.

    Amor vincit – die Liebe siegt.

    (c) Foto OÖN aus dem Pressearchiv des Veranstalters

  • Shalom, Michael!

    Mitte August 2025 durfte ich als christlicher Trauerredner einen weisen jüdischen Physiker auf seinem letzten Weg begleiten.

    Ich habe vor einer Woche lange mit seiner Witwe gesprochen. Sie hat für diesen besonderen Moment ein Musikstück ausgewählt, das wie ein inneres Gespräch zweier Seelen klingt: das Adagio aus dem Streichquintett in C-Dur von Franz Schubert, gespielt von Mstisláv Rostropówitsch und dem Emerson String Quartett.

    Rostropówitsch war einer der großen Cellisten des 20. Jahrhunderts – ein Musiker mit moralischer Haltung, der für Freiheit, Menschlichkeit und künstlerische Integrität stand.

    Rostropowitsch ist nicht zufällig gewählt. Die Gleichklänge im Lebenslauf mit dem lieben Verstorbenen sind auffallend. Gemeinsam mit dem Emerson Quartett, das für seine Präzision und emotionale Tiefe berühmt ist, entstand hier eine Interpretation, die Stille und Trost zugleich ist.

    Diese Viertelstunde Musik ist mehr als ein Werk – sie ist eine Haltung: zart, lauschend, wahrhaftig. Einige Gäste haben darin die Persönlichkeit des Verstorbenen wieder erkannt.

    In der verbleibenden Zeit habe ich – so gut ich das konnte – den berührenden Text der Ehefrau einfühlsam vorgetragen.

    Einige Trauernde kamen nachher zu mir und meinten: „Das war eine der berührendsten Trauerfeiern, die ich je erlebt habe. Die Musik und ihre Worte haben soviel Liebe, Hoffnung und Freude vermittelt.“

    Am nächsten Tag habe ich von der Witwe ein Mail bekommen, das mich sehr freut: