Viele Trauernde erleben am Ende der Abschiedsfeier etwas Unerwartetes:
Freude.
Eine stille, tiefe Freude darüber, selbst Worte gefunden zu haben – für den Menschen, den sie loslassen mussten.
Besonders die Fürbitten werden oft als sehr berührende Momente erlebt.
Und doch ist der Begriff „Fürbitten“ für viele mit Unsicherheit verbunden.
Mit Erinnerungen an Religionsunterricht.
Oder mit der Frage: „Was darf man da sagen? Und wie?“
Diese Seite möchte Klarheit schenken. Und Mut.
Was sind Fürbitten – einfach erklärt
Fürbitten sind persönliche Bitten, die wir vor Gott bringen –
für einen verstorbenen Menschen,
für die Zurückgebliebenen,
für uns selbst und für die Welt.
Es geht dabei nicht um „richtige Formulierungen“
und nicht um fromme Sprache.
Sondern um Beziehung.
Jesus sagt:
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20)
Gott weiß, was wir brauchen.
Aber er will es von uns hören.
Er will, dass wir uns aussprechen – und zueinander bekennen.
Darum antwortet die Gemeinde gemeinsam:
„(Vater,) wir bitten dich, erhöre uns.“
Fürbitten sind kein Vortrag.
Sie sind ein gemeinsames Atmen.
Fürbitten aus therapeutischer Sicht
Fürbitten haben eine große Kraft:
- Sie geben inneren Bildern eine Sprache
- Sie verwandeln Ohnmacht in Handlung
- Sie erlauben Nähe – ohne Erklärungspflicht
- Sie schaffen Verbundenheit in einer Situation des Verlustes
Trauernde erleben oft:
„Ich kann nichts mehr tun.“
Fürbitten widersprechen dieser Erfahrung sanft.
Sie sagen:
„Ich darf noch etwas sagen. Ich darf noch bitten. Ich darf noch lieben.“
Gerade Kinder, Enkel und Urenkel finden hier einen Ausdruck,
der weder überfordert noch banalisiert.
Fürbitten sind damit auch ein heilender Übergang
vom Festhalten zum Anvertrauen.
Ein Beispiel: Fürbitten vor einer Beerdigung
Hier ein bewusst schlichtes, herzliches Beispiel mit fünf kurzen Fürbitten nach einer Einleitung durch den Zelebranten:
Zelebrant (Z): Gütiger Gott, wir kommen jetzt mit Fürbitten zu Dir. Angehörige des lieben verstorbenen Menschen werden sie Dir vortragen. Bitte erhöre Sie und lass Sie Deine Liebe spüren!
Alle Anwesenden, die diese Fürbitte unterstützen, beten von ganzem Herzen – und daher gerne auch laut – mit:
„Wir bitten Dich erhöre uns.“
Guter Gott,
wir danken dir für das Leben von N.
für alles, was er / sie uns geschenkt hat.
Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
Wir bitten dich für alle,
die heute besonders traurig sind
und den Verlust kaum tragen können.
Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
Wir bitten dich für die Familie,
für Zusammenhalt, Geduld
und liebevolle Erinnerungen.
Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
Wir bitten dich für alle,
die gerade Abschied nehmen müssen –
auch dort, wo Worte fehlen.
Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
Und wir bitten dich für uns selbst,
dass wir lernen, dankbar zu leben
und achtsam füreinander zu sein.
Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
Z: Vater Du kennst uns und weisst, was wir brauchen.
Erhöre unsere Bitten. Dein Wille geschehe.
Amen.
Was gute Fürbitten auszeichnet
Gelungene Fürbitten sind meist:
- kurz
- persönlich
- ehrlich
- frei von Floskeln
Sie müssen nicht alles sagen.
Ein Gedanke genügt.
Ein Wunsch.
Ein Dank.
Man darf Gott zutrauen,
zwischen den Zeilen zu hören.
Einladung zum Teilen
Vielleicht haben Sie selbst schon einmal
eine besonders schöne Fürbitte erlebt oder formuliert.
Ich lade Sie herzlich ein:
👉 Teilen Sie diese Worte. Schicken Sie mir eine kurze Nachricht. Ich werde Ihre Fürbitte dann gerne anonym oder – wenn Sie das wollen mit Ihrem Namen – auf trauerredner.wien veröffentlichen. Wenn Sie „Fürbitte“ hier als Stichwort eingeben, finden Sie bereits etliche Beispiele.
Sie könnten damit anderen Trauernden Mut machen –
und zeigen, wie viel Trost in wenigen ehrlichen Sätzen liegen kann.
Fürbitten wirken auch außerhalb von Begräbnissen und sind eine einfache wirkungsvolle Möglichkeit, um mit Gott ins Gespräch zu kommen.
